Vertragsarten

Festanstellung, Zeitarbeit, Mini-Job, Werkvertrag, selbstständig — jede Form hat andere Regeln, andere Risiken und andere Netto-Ergebnisse. Was passt für dich?

8 Min. Lesezeit
13,90 €
Mindestlohn/Std. 2026
20+
Urlaubstage gesetzlich
6 Wochen
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
9 Monate
bis Equal Pay in Zeitarbeit

Welche Vertragsarten gibt es überhaupt?

In Deutschland gibt es fünf typische Beschäftigungsformen für Kolega-Berufe: Festanstellung, befristeter Vertrag, Zeitarbeit (Arbeitnehmerüberlassung), Mini-Job und Selbstständigkeit/Werkvertrag. Jede unterliegt anderen Regeln — was fair aussieht, kann bei einer Krankheit oder Kündigung plötzlich sehr unterschiedlich enden.

Für Fahrer und Lageristen sind Festanstellung und Zeitarbeit die zwei häufigsten Einstiegswege. Mini-Job passt nur als Neben­beschäftigung. Selbstständigkeit ist im Fahrer-Bereich fast immer riskant — Scheinselbstständigkeit ist eine der häufigsten Fallen für osteuropäische Arbeitnehmer.

Die 5 Vertragsformen im Vergleich

1. Unbefristete Festanstellung

Ziel
  • Volle Sozialabgaben (50/50 mit Arbeitgeber)
  • 20+ Urlaubstage, oft 25–30
  • 6 Wochen 100 % Lohnfortzahlung bei Krankheit
  • Kündigungsschutz nach 6 Monaten in Firmen mit >10 Beschäftigten
  • Rentenbeiträge, Arbeitslosen­versicherung

2. Befristeter Vertrag

  • Bis zu 2 Jahre ohne Sachgrund erlaubt (max. 3 Verlängerungen)
  • Gleiche Rechte wie Festangestellte während der Laufzeit
  • Endet automatisch — keine Kündigung nötig
  • Kein Anspruch auf Übernahme

3. Zeitarbeit (Leiharbeit)

  • Angestellt bei Personaldienstleister, verliehen an Kundenfirma
  • Nach 9 Monaten: Equal Pay (gleicher Tariflohn wie Stammbelegschaft)
  • Nach 18 Monaten: Übernahmepflicht oder Ende der Überlassung
  • Volle Sozialabgaben, Urlaub, Krankengeld
  • Häufig schnellster Einstieg für Neuankömmlinge

4. Mini-Job (bis 556 €)

  • Steuerfrei bis 556 €/Monat (Stand 2026)
  • Pauschale Rentenbeiträge — sehr wenig Anspruch
  • Keine Arbeitslosen­versicherung
  • 4 Wochen Urlaub anteilig
  • Nur als Nebenjob sinnvoll

5. Selbstständig / Werkvertrag

Vorsicht
  • Alle Sozialabgaben selbst tragen (300–800 €/Mon. Krankenversicherung freiwillig)
  • Kein Urlaubs- oder Krankengeldanspruch
  • Kein Kündigungsschutz
  • „Scheinselbstständigkeit“ wird streng geprüft — Nachzahlungen von zehntausenden € möglich

Was bleibt bei 3.000 € Brutto wirklich? — grober Vergleich

VertragsartNetto (ca.)Was du zusätzlich hast/verlierst
Festanstellung~ 2.030 €Volle Absicherung, Urlaub, Krankengeld
Zeitarbeit~ 2.030 €Gleich — nach 9 Mon. Equal Pay möglich
Mini-Job 556 €556 €Nur als Zusatz denkbar
Scheinselbstständig 3.000 €~ 1.400 €− Krankenkasse (~600 €), − Rente/Steuer selbst, kein Urlaub, kein Krankengeld

Warnung: Scheinselbstständigkeit im Fahrer-Bereich

Ein häufiges Muster: Firma bietet dir 3.000 € „Netto“ als „selbstständiger Fahrer“ an, du sollst nur ein Gewerbe anmelden. Kein Vertrag, keine Sozialabgaben, dein LKW, deine Firma. Auf dem Papier: Unternehmer. In Wahrheit: du fährst nur für diesen einen Auftraggeber, mit seinem Dispatcher, seiner Tour.

Die Deutsche Rentenversicherung prüft das regelmäßig. Ergebnis bei Feststellung: du wirst rückwirkend als Angestellter eingestuft. Nachzahlung aller Sozialabgaben durch den Arbeitgeber (bis 4 Jahre rückwirkend, oft 30.000–80.000 €). Für dich: keine Krankenversicherung während dieser Zeit rückwirkend, potenziell Steuerprobleme.

Merkmale: Weisungsgebundenheit, feste Arbeitszeiten, Eingliederung in fremden Betrieb, kein eigener Fuhrpark, nur ein Auftraggeber. Wenn drei davon zutreffen: Finger weg — bestehe auf Festanstellung oder Zeitarbeit.

Praxis­empfehlung für den Einstieg

Wer neu in Deutschland ankommt und die Sprache noch nicht sicher hat, startet oft am schnellsten über Zeitarbeit — die Agentur kümmert sich um Papierkram, du hast volle Absicherung, und nach 9–18 Monaten wechselst du entweder in Festanstellung beim Kundenbetrieb oder direkt zu einem anderen Arbeitgeber. Kolega listet auf beiden Seiten seriöse Angebote.

Praxis-Tipp

Vor Unterschrift: Vertrag von Gewerkschaft, Betriebsrat oder Fachanwalt prüfen lassen. Kostet nichts (bei Mitgliedschaft) oder 80–150 € (Einzelberatung) — kann dich vor jahrelangen Problemen bewahren.