Steuer- & Sozialversicherungsnummer

Steuer-ID (11-stellig) und Sozialversicherungsnummer (12-stellig) — ohne sie läuft dein Gehalt nicht richtig.

6 Min. Lesezeit
11
Ziffern Steuer-ID
12
Ziffern SV-Nummer
vergeben, gilt lebenslang
~350 €
Netto-Verlust/Monat ohne Steuer-ID

Warum diese zwei Nummern das Rückgrat deines Berufslebens sind

Deutschland verknüpft jede Person mit zwei eindeutigen Kennzahlen. Die Steuer-ID (IdNr., 11-stellig, Format „12 345 678 901“) ordnet dich dem Finanzamt zu und wird für jeden Gehaltszettel, jede Steuererklärung, jedes Kindergeld und jedes Bank-Interesse gebraucht. Die Sozialversicherungsnummer (12-stellig, mit Buchstaben, z. B. „65 170839 M 507“) verbindet dich mit dem gesamten Sozialsystem: Rente, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung.

Beide Nummern werden EINMAL vergeben und gelten lebenslang. Auch wenn du Deutschland verlässt und Jahre später zurückkommst — dieselben Nummern. Beide sind streng persönlich; teile sie nur mit Arbeitgeber, Steuerberater, Finanzamt und Krankenkasse.

Beide sind auch die Ursache dafür, dass deine erste Gehaltsabrechnung in Deutschland manchmal überraschend niedrig ist. Ohne Steuer-ID rechnet der Arbeitgeber dich per Gesetz in Steuerklasse 6 ab — der höchsten. Bei 2.800 € Brutto verlierst du dadurch rund 350 € Netto pro Monat, die du zwar am Jahresende zurückholst, aber erst nach der Steuererklärung.

Die zwei Nummern im Detail

Steuer-ID (IdNr.)

Finanzamt

Lebenslang gültige Steuernummer für alle Einkommensteuer-Vorgänge.

  • 11 Ziffern, Format: 12 345 678 901
  • Kommt 2–3 Wochen nach Anmeldung per Brief vom BZSt
  • Wird beim Arbeitgeber, beim Finanzamt, bei der Bank (Freistellungsauftrag) und beim Kindergeld gebraucht
  • Ersatz kostenlos beim Bundeszentralamt für Steuern

Sozialversicherungs­nummer

Rente + Kasse

Verbindet dich mit Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung.

  • 12 Zeichen, enthält Geburtsdatum und einen Buchstaben (erster Buchstabe des Geburtsnamens)
  • Wird von der Deutschen Rentenversicherung vergeben, sobald du das erste Mal beschäftigt bist
  • Sozialversicherungsausweis kommt automatisch per Post
  • Bei Kassenwechsel bleibt sie gleich — nur die Krankenkasse ändert sich

Wie du an beide Nummern kommst

  1. 1Anmeldung beim Bürgeramt durchführen (siehe Guide „Anmeldung“).
  2. 22–3 Wochen warten. Der Brief mit der Steuer-ID kommt vom Bundeszentralamt für Steuern — Absender „BZSt“, hellblauer DIN A4-Umschlag.
  3. 3Steuer-ID sofort fotografieren, in einem Passwort-Manager oder verschlüsselter Notiz sichern.
  4. 4Steuer-ID an die Personalabteilung deines Arbeitgebers weitergeben — WhatsApp-Foto oder E-Mail reicht meist, sonst persönlich.
  5. 5Beim ersten Arbeitsbeginn meldet dich der Arbeitgeber bei der Rentenversicherung. Die SV-Nummer kommt automatisch nach 2–4 Wochen per Post.
  6. 6Steuer-ID nicht angekommen? Formular „Mitteilung der IdNr.“ auf bzst.de ausfüllen — kostenlos, Nummer kommt in 1–2 Wochen neu per Post.

Häufige Fehler

Steuer-ID-Brief liegt im Briefkasten, wird aber nicht als wichtig erkannt. Der Absender „Bundeszentralamt für Steuern“ klingt wie Werbung — ist aber der wichtigste Brief deiner ersten Monate. Nie wegwerfen.

Namensschild am Briefkasten fehlt. Die Post gibt Briefe ohne passenden Namen zurück — der BZSt schickt ihn dann nicht automatisch nach; du musst neu beantragen. Namensschild am ersten Tag anbringen (kostet 3–5 € im Baumarkt).

Umzug innerhalb Deutschlands ohne Nachsendeauftrag. Bei 5,49 € für 6 Monate Nachsendung landet der Brief zuverlässig — sonst gehst du leer aus.

SV-Nummer aus einem früheren EU-Job in Deutschland nicht angeben. Wer schon einmal in Deutschland gearbeitet hat, hat bereits eine SV-Nummer. Bei erneutem Job dem Arbeitgeber die alte Nummer geben — sonst wird eine zweite vergeben und deine Rentenzeiten sind später schwer zu bündeln.

Praxisbeispiel — Kasia aus Warschau

Kasia fängt am 1. September als Disponentin in Köln an, Brutto 3.400 €. Sie meldet sich am 5. September beim Bürgeramt an. Am 22. September liegt der Brief mit der Steuer-ID im Briefkasten — sie ist auf einer Geschäftsreise, sieht ihn erst am 28. September. Fotografiert die Nummer, schickt sie noch am selben Abend an HR. September-Abrechnung (bereits am 25. September gebucht): Steuerklasse 6, Netto 1.930 €. Oktober-Abrechnung: Steuerklasse 1, Netto 2.290 €. Differenz September: 360 € — die holt sie sich über die Steuererklärung im Frühjahr zurück, allerdings erst 6–9 Monate später. Lehre: den BZSt-Brief nicht liegen lassen.

Praxis-Tipp

Sichere beide Nummern in einem Passwort-Manager (Bitwarden, 1Password, Apple/Google Passwörter) — nicht in normalen Notizen. Diese Nummern sind für Identitätsdiebstahl mindestens genauso attraktiv wie Passwörter. Und: teile sie NIE per SMS oder unverschlüsseltem Messenger mit Fremden — seriöse Ämter fragen nie per SMS danach.

Bundeszentralamt für Steuern — IdNr.

Steuer-ID online neu beantragen, wenn sie nicht ankommt oder verloren geht. Formular „Mitteilung der Steuer-Identifikationsnummer“ ausfüllen.

Öffnen